Filmlabore

Filmlabore & Community Filmmaking

Filmlabor mit jungen Theater-Assistent:innnen, Landesarbeitsgemeinschaft Theater und Film an den bayerischen Schulen, Juni 2024 im Shaere

Community Filmmaking & Filmlabore – Ansatz, Stadt und Praxis

CINÉ VÉLO CITÉ versteht Filmlabore als Orte, an denen Film, Stadt und Biografie ineinandergreifen. Film ist hier kein isoliertes Medium, sondern ein Werkzeug, um urbane Wirklichkeit zu lesen, zu befragen und sichtbar zu machen. Die Stadt wird nicht nur Kulisse, sondern Gegenstand und Material der filmischen Arbeit.

Ausgangspunkt ist die Annahme, dass jede Stadt bereits voller Bilder, Geschichten und Rhythmen ist. Filmgeschichte und Stadtgeschichte sind miteinander verschränkt. Straßen, Plätze, Gebäude, Wege und Zwischenräume tragen Erinnerungen, Machtverhältnisse und Alltagspraktiken in sich. Filmlabore setzen genau dort an. Sie arbeiten vor Ort, im Stadtraum, mit dem, was vorhanden ist. Gedreht wird nicht über die Stadt, sondern in ihr.

Die Teilnehmenden bringen ihre eigenen biografischen Bezüge mit. Orte werden aus persönlicher Perspektive gelesen: der Schulweg, der Treffpunkt, das Einkaufszentrum, die Brache, der Hinterhof. Film wird zur Methode, diese subjektiven Karten sichtbar zu machen. So entsteht eine filmische Kartografierung der Stadt. Keine objektive Übersicht, sondern eine Sammlung von Blicken, Wegen und Erfahrungen.

Dabei knüpfen die Filmlabore an filmvermittelnde Ansätze an, die Film als Kunstform ernst nehmen und ihn nicht auf Inhalte oder Kompetenzen reduzieren. Entscheidend ist die ästhetische Erfahrung. Wie lange bleibt die Kamera stehen. Wo beginnt eine Bewegung. Wann endet ein Bild. Diese Entscheidungen sind immer auch Entscheidungen über Raum und Zeit. Wer filmt, setzt die Stadt in Beziehung zu sich selbst.

Nach den Erfahrungen der Pandemie gewinnt dieser Zugang zusätzliche Bedeutung. Öffentliche Räume wurden lange gemieden, reguliert oder funktionalisiert. Die Filmlabore reagieren darauf, indem sie Kino und Filmproduktion wieder in den Stadtraum zurückholen. Nicht als Event, sondern als Praxis des gemeinsamen Aufenthalts. Film schafft Situationen des Innehaltens. Menschen bleiben stehen, schauen gemeinsam, sprechen über das Gesehene. Die Stadt wird für einen Moment anders lesbar.

Gearbeitet wird bewusst mit einfachen Mitteln. Smartphones, kleine Kameras, mobile Schnittplätze. Nicht aus Mangel, sondern aus Haltung. Reduktion schafft Aufmerksamkeit. Film wird nicht produziert, um zu funktionieren, sondern um zu fragen. Was ist dieser Ort. Wem gehört er. Wie wird er genutzt. Wer ist sichtbar, wer nicht.

Die Filmlabore sind offen angelegt. Sie reagieren auf Orte, Gruppen und Zeitrahmen. Kurze Interventionen sind ebenso möglich wie längere Prozesse. Die Ergebnisse werden, wenn möglich, öffentlich gezeigt. Die Präsentation im Stadtraum ist Teil der Arbeit. Sie schließt den Kreis zwischen individueller Erfahrung und kollektiver Wahrnehmung.



Städtische Wilhelm-Busch-Realschule:Filmlabor mit Elke Bauer (Kammerspiele) WALK OF DEMOCRACY

Beispielprojekte & Formate

Die Filmlabore von CINÉ VÉLO CITÉ sind modular aufgebaut und lassen sich an unterschiedliche Orte, Altersgruppen und Kontexte anpassen. Sie verbinden filmische Praxis, Stadtbezug und kollektives Arbeiten. Die folgenden Formate stehen exemplarisch für die Bandbreite der Arbeit.

KiTZ Stopmotion Festival Neuperlach: Vier Kitas in Neuperlach produzieren Stopmotion-Filme für ein gemeinsames Festival. (Juli 2024). Gefördert vom JFF.

In einem zweitägigen Filmlabor mit der Landesarbeitsgemeinschaft Theater und Film an den bayerischen Schulen (LAGDS), sind Juni 2024 im Shaere Neuperlach innerhalb von zwei Tagen mehrere kurze Videoexperimente entstanden. Mittels Unterstützung von KI-Platformen wie ChatGPT und Methoden wie Screen-Recording sind auf schnelle und direkte Weise kurze filmische Arbeiten zum Thema: “Klimawandel, Ökozid… sind wir noch zu retten? – Ein künstlerisch-filmisches Experiment.” entstanden.

Die Filme wurden anschließend vor dem Shaere in einem kuratierten Filmprogramm zusammen mit anderen Kurzfilmen zum Thema Klimawandel prästentiert.

Ziel und Ausblick

Die Filmlabore fördern Lust an Film, Stadtgeschichte und gemeinsamer Arbeit. Sie richten sich an Kinder, Jugendliche, Erwachsene und pädagogische Fachkräfte. Generationenübergreifend, offen und experimentell.

CINÉ VÉLO CITÉ entwickelt die Filmlabore kontinuierlich weiter und arbeitet projektbasiert. Eigene Projektideen, Kooperationen oder Anfragen für Workshops sind ausdrücklich willkommen.

KiTZ Stopmotion Festival Neuperlach: Vier Kitas in Neuperlach produzieren Stopmotion-Filme für ein gemeinsames Festival. (Juli 2024). Gefördert vom JFF.