Filmlabore & Community Filmmaking
In einer von visuellen Medien geprägten Welt kommt der Filmbildung eine große Bedeutung zu. Film und im weiteren Sinne soziale Medien wie YouTube sind ein zentrales Medium unserer Zeit, um Geschichten zu erzählen, Emotionen zu wecken und kulturelle Werte zu vermitteln. Jugendliche lernen durch Filme nicht nur, wie Geschichten visuell und emotional gestaltet werden, sondern entwickeln auch ein kritisches Verständnis für die Inhalte, die sie konsumieren. Filmbildung fördert Medienkompetenz, stärkt das kreative Potenzial und schärft den Blick für die gesellschaftspolitschen Fragen unserer Zeit.

Community Filmmaking & Filmlabore – Ansatz, Stadt und Praxis
CINÉ VÉLO CITÉ versteht Filmlabore als Orte, an denen Film, Stadt und Biografie ineinandergreifen. Film ist hier kein isoliertes Medium, sondern ein Werkzeug, um urbane Wirklichkeit zu lesen, zu befragen und sichtbar zu machen. Die Stadt wird nicht nur Kulisse, sondern Gegenstand und Material der filmischen Arbeit.
Ausgangspunkt ist die Annahme, dass jede Stadt bereits voller Bilder, Geschichten und Rhythmen ist. Filmgeschichte und Stadtgeschichte sind miteinander verschränkt. Straßen, Plätze, Gebäude, Wege und Zwischenräume tragen Erinnerungen, Machtverhältnisse und Alltagspraktiken in sich. Filmlabore setzen genau dort an. Sie arbeiten vor Ort, im Stadtraum, mit dem, was vorhanden ist. Gedreht wird nicht über die Stadt, sondern in ihr.

Die Teilnehmenden bringen ihre eigenen biografischen Bezüge mit. Orte werden aus persönlicher Perspektive gelesen: der Schulweg, der Treffpunkt, das Einkaufszentrum, die Brache, der Hinterhof. Film wird zur Methode, diese subjektiven Karten sichtbar zu machen. So entsteht eine filmische Kartografierung der Stadt. Keine objektive Übersicht, sondern eine Sammlung von Blicken, Wegen und Erfahrungen.
Dabei knüpfen die Filmlabore an filmvermittelnde Ansätze an, die Film als Kunstform ernst nehmen und ihn nicht auf Inhalte oder Kompetenzen reduzieren. Entscheidend ist die ästhetische Erfahrung. Wie lange bleibt die Kamera stehen. Wo beginnt eine Bewegung. Wann endet ein Bild. Diese Entscheidungen sind immer auch Entscheidungen über Raum und Zeit. Wer filmt, setzt die Stadt in Beziehung zu sich selbst.
Nach den Erfahrungen der Pandemie gewinnt dieser Zugang zusätzliche Bedeutung. Öffentliche Räume wurden lange gemieden, reguliert oder funktionalisiert. Die Filmlabore reagieren darauf, indem sie Kino und Filmproduktion wieder in den Stadtraum zurückholen. Nicht als Event, sondern als Praxis des gemeinsamen Aufenthalts. Film schafft Situationen des Innehaltens. Menschen bleiben stehen, schauen gemeinsam, sprechen über das Gesehene. Die Stadt wird für einen Moment anders lesbar.
Gearbeitet wird bewusst mit einfachen Mitteln. Smartphones, kleine Kameras, mobile Schnittplätze. Nicht aus Mangel, sondern aus Haltung. Reduktion schafft Aufmerksamkeit. Film wird nicht produziert, um zu funktionieren, sondern um zu fragen. Was ist dieser Ort. Wem gehört er. Wie wird er genutzt. Wer ist sichtbar, wer nicht.
Die Filmlabore sind offen angelegt. Sie reagieren auf Orte, Gruppen und Zeitrahmen. Kurze Interventionen sind ebenso möglich wie längere Prozesse. Die Ergebnisse werden, wenn möglich, öffentlich gezeigt. Die Präsentation im Stadtraum ist Teil der Arbeit. Sie schließt den Kreis zwischen individueller Erfahrung und kollektiver Wahrnehmung.

Städtische Wilhelm-Busch-Realschule:Filmlabor mit Elke Bauer (Kammerspiele) WALK OF DEMOCRACY
Beispielprojekte & Formate
Die Filmlabore von CINÉ VÉLO CITÉ sind modular aufgebaut und lassen sich an unterschiedliche Orte, Altersgruppen und Kontexte anpassen. Sie verbinden filmische Praxis, Stadtbezug und kollektives Arbeiten. Die folgenden Formate stehen exemplarisch für die Bandbreite der Arbeit.
Walk of Democracy
Filmische Spaziergänge und Recherchen zu Demokratie, Grundrechten und öffentlichem Raum. In Zusammenarbeit mit Schulen und zivilgesellschaftlichen Initiativen entstehen Filme, die Stadt, Alltag und politische Fragen miteinander verknüpfen. Film wird hier zum Werkzeug politischer Bildung.
SPIELART Filmlabor
Festivalbasierte Labore an der Schnittstelle von Theater, Performance und Film. Kurzformate, Experimente und öffentliche Präsentationen stehen im Fokus. Der Prozess ist offen, interdisziplinär und ortsbezogen.
Forschung & Lehre
Kooperationen mit Hochschulen und Bildungseinrichtungen. Film wird als Methode eingesetzt, um Themen wie Leerstand, Gentrifizierung oder urbanen Wandel zu untersuchen. Die Ergebnisse verbinden künstlerische Praxis mit Analyse und Reflexion
Film & IT
Ergänzend zur filmischen Arbeit bieten die Filmlabore Zugänge zu digitaler Selbstbestimmung. Behandelt werden Datensouveränität, Datenschutz, alternative Tools und ein kritischer Umgang mit großen Plattformen. Technik wird praktisch und spielerisch vermittelt, nicht abstrakt erklärt.
Lehrer:innenfortbildung
Praxisnahe Fortbildungen zu Dokumentarfilm, Medienkunst, Filmpädagogik und zum reflektierten Umgang mit KI im Unterricht. Die Formate sind direkt übertragbar und bewusst niedrigschwellig angelegt.

Beispielprojekt: Foundfootage-Filmcollagen
In einem zweitägigen Filmlabor mit der Landesarbeitsgemeinschaft Theater und Film an den bayerischen Schulen (LAGDS), sind Juni 2024 im Shaere Neuperlach innerhalb von zwei Tagen mehrere kurze Videoexperimente entstanden. Mittels Unterstützung von KI-Platformen wie ChatGPT und Methoden wie Screen-Recording sind auf schnelle und direkte Weise kurze filmische Arbeiten zum Thema: “Klimawandel, Ökozid… sind wir noch zu retten? – Ein künstlerisch-filmisches Experiment.” entstanden.
Die Filme wurden anschließend vor dem Shaere in einem kuratierten Filmprogramm zusammen mit anderen Kurzfilmen zum Thema Klimawandel prästentiert.
Ziel und Ausblick
Die Filmlabore fördern Lust an Film, Stadtgeschichte und gemeinsamer Arbeit. Sie richten sich an Kinder, Jugendliche, Erwachsene und pädagogische Fachkräfte. Generationenübergreifend, offen und experimentell.
CINÉ VÉLO CITÉ entwickelt die Filmlabore kontinuierlich weiter und arbeitet projektbasiert. Eigene Projektideen, Kooperationen oder Anfragen für Workshops sind ausdrücklich willkommen.


